Google Ads ist der schnellste Weg zu neuen Anfragen. Wer heute eine Kampagne startet, steht in wenigen Tagen ganz oben, wenn jemand „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“ eingibt. Organische Sichtbarkeit braucht dafür Monate, oft ein Jahr. Die Frage ist deshalb selten, ob Google Ads einer Kanzlei Anfragen bringt. Sie lautet: Rechnet sich das in Ihrem Rechtsgebiet, in Ihrer Region, bei Ihrem durchschnittlichen Mandatswert?
Die Rechnung, die vor jeder Kampagne steht
Der Preis pro Mandat ist der Betrag, den eine Kanzlei über Anzeigen ausgibt, bis ein Mandat zustande kommt. Er entsteht aus drei Größen: dem Klickpreis, dem Anteil der Klicks, aus denen eine Anfrage wird, und dem Anteil der Anfragen, aus denen ein Mandat wird.
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten, nicht aus einem konkreten Konto: Bei 1.000 Euro Monatsbudget und 8 Euro pro Klick kommen 125 Klicks zusammen. Wird jeder zehnte Klick zu einer Anfrage, sind das rund 12 Anfragen. Wird jede dritte Anfrage zum Mandat, bleiben 4 Mandate und das Mandat hat rund 250 Euro an Werbekosten verursacht.
Ob diese 250 Euro gut oder schlecht sind, entscheidet allein Ihr durchschnittlicher Mandatswert. In Rechtsgebieten mit Streitwerten im mittleren vierstelligen Bereich und darüber trägt die Rechnung meist. Bei einer Bußgeldsache mit kleinem Gegenstandswert trägt sie oft nicht, jedenfalls nicht ohne Folgemandate.
Rechnen Sie deshalb vor der ersten Kampagne rückwärts. Sagen Sie, was Ihnen ein Mandat in diesem Rechtsgebiet im Schnitt wert ist, und leiten Sie daraus ab, was eine Anfrage kosten darf. Diese eine Zahl ist der Maßstab, an dem sich die Kampagne später messen lassen muss.
Was ein Klick kostet und warum die Spanne so groß ist
Die folgenden Spannen sind Schätzwerte aus dem Kanzleiumfeld, keine zugesagten Preise. Sie unterscheiden sich erheblich nach Region, Wettbewerbsdichte, Suchbegriff und Qualität der Zielseite. In einer Großstadt mit vielen werbenden Kanzleien liegen die Werte am oberen Ende, im ländlichen Raum häufig deutlich darunter.
| Rechtsgebiet | Klickpreis (Schätzung) | Was die Spanne treibt |
|---|---|---|
| Verkehrs- und Bußgeldrecht | 3 bis 8 € | Viele Suchanfragen, viele Anbieter, niedrige Mandatswerte |
| Arbeitsrecht | 5 bis 14 € | Hoher Handlungsdruck, in Großstädten stark umkämpft |
| Familienrecht | 6 bis 15 € | Konstante Nachfrage, starker lokaler Wettbewerb |
| Erbrecht | 6 bis 18 € | Weniger Suchvolumen, dafür hohe Mandatswerte |
| Medizin-, Bau- und Steuerrecht | 10 bis 25 € | Wenige, sehr wertvolle Mandate, entsprechend teure Klicks |
Ihre echten Zahlen sehen Sie vor dem ersten ausgegebenen Euro. Der Keyword-Planer in Google Ads zeigt Suchvolumen und Gebotsschätzungen für Ihre Suchbegriffe in Ihrer Region. Das ist keine Garantie, aber deutlich näher an Ihrer Situation als jede Tabelle in einem Blogbeitrag.
Wann sich Google Ads für Ihre Kanzlei lohnen: vier Voraussetzungen
Anzeigen sind kein Wachstumsprogramm, sondern ein Verstärker für etwas, das bereits funktioniert. Diese vier Punkte sollten vorher stimmen:
- Es ist Kapazität frei. Anzeigen lassen sich innerhalb eines Tages hoch- und herunterfahren. Wer ohnehin ausgelastet ist, kauft sich Anfragen, die er absagen muss.
- Das Rechtsgebiet hat akuten Suchbedarf. Kündigung, Unfall, Trennung, Abmahnung: Wer in einer solchen Lage sucht, will heute jemanden erreichen. Bei Gestaltungsthemen ohne Zeitdruck ist die Suche seltener der erste Weg.
- Es gibt eine Seite, die zur Anfrage passt. Wer auf „Anwalt Kündigungsschutzklage“ klickt und auf der Startseite landet, springt wieder ab. Wie diese Seiten aufgebaut sein sollten, steht in Rechtsgebietsseiten.
- Anfragen werden schnell beantwortet. Was in den ersten Minuten nach einer Anfrage passiert, entscheidet häufiger über das Mandat als der Anzeigentext. Mehr dazu in Von der Anfrage zum Mandat.
Wovon wir abraten
Diesen Abschnitt halten wir für den wichtigsten im ganzen Text, weil er Geld spart. In diesen vier Fällen raten wir von Anzeigen ab, auch wenn es unser eigenes Angebot betrifft:
Die Website überzeugt nicht. Anzeigen bringen Menschen auf eine Seite. Was dort passiert, entscheidet die Seite. Ist sie langsam, unübersichtlich oder ohne erkennbaren Kontaktweg, zahlen Sie für Besuche, die folgenlos bleiben. Welche Anforderungen eine Kanzleiwebsite heute erfüllen sollte, steht in Was eine Kanzleiwebsite 2026 leisten muss.
Es gibt keinen Prozess für eingehende Anfragen. Wenn das Kontaktformular in ein Postfach läuft, das zweimal pro Woche jemand öffnet, ist jede Kampagne verlorenes Geld.
Die organische Sichtbarkeit liegt bei null und das Budget ist klein. Dann steckt dasselbe Geld sinnvoller in Inhalte und eigene Seiten je Rechtsgebiet, die auch in zwei Jahren noch Anfragen bringen. Anzeigen hören in dem Moment auf zu wirken, in dem Sie sie abschalten.
Klickpreis und Mandatswert passen nicht zusammen. Ein Rechtsgebiet mit teuren Klicks und geringen Mandatswerten lässt sich mit Anzeigen selten wirtschaftlich bespielen.
Unsere Position dazu, klar als Meinung: Anzeigen gehören ans Ende der Reihenfolge, nicht an den Anfang. Erst die Website, dann die organische Sichtbarkeit, dann bezahlte Verstärkung dort, wo die Zahlen sie tragen. Wir halten den umgekehrten Weg für den teuersten, den eine Kanzlei gehen kann.
Wie eine Kampagne aufgesetzt wird
Der Ablauf, den wir für Kanzleien verwenden, in der Reihenfolge:
- Keyword- und Wettbewerbsrecherche. Welche Begriffe werden in Ihrer Region tatsächlich gesucht, was kosten sie schätzungsweise, wer wirbt bereits darauf.
- Kampagnenstruktur nach Rechtsgebiet. Ein Rechtsgebiet, eine Kampagne, eine Zielseite. Alles andere macht die Auswertung später unmöglich.
- Negative Keywords von Anfang an. „Anwalt Gehalt“, „Jura Studium“, „Kosten Prozesskostenhilfe“: Ohne Ausschlussliste zahlen Sie für Suchanfragen, die nie zu einem Mandat führen. Diese Liste wächst in den ersten Wochen jede Woche.
- Tracking vor dem ersten Euro. Ohne Messung wissen Sie am Monatsende, was die Klicks gekostet haben, aber nicht, was sie gebracht haben. Welche vier Felder dafür genügen, steht in Tracking in der Kanzlei.
- Testphase von acht Wochen. In dieser Zeit sammeln sich genug Klicks und Anfragen, um den Preis pro Anfrage zu berechnen. Vorher ist jede Bewertung Zufall.
- Entscheidung anhand der eigenen Zahl. Liegt der Preis pro Anfrage unter dem, was Ihnen eine Anfrage wert ist, wird ausgebaut. Liegt er darüber, wird umgebaut oder beendet.
Anzeigentexte: was Sie kontrollieren sollten
Zwei Punkte, die in Kanzleikonten regelmäßig übersehen werden.
Automatisch erzeugte Anzeigentexte brauchen eine Kontrolle. Google kann Überschriften und Beschreibungen aus Ihrer Website zusammensetzen. Dabei entstehen Formulierungen, die niemand in der Kanzlei geschrieben und niemand freigegeben hat. Bei Kanzleien raten wir dazu, diese Automatisierungen abzuschalten oder die erzeugten Varianten regelmäßig durchzusehen.
Die berufsrechtliche Bewertung liegt nicht bei uns. Die Grenzen für Anwaltswerbung ergeben sich aus § 43b BRAO und § 6 BORA. Wir prüfen die Werbewirkung eines Anzeigentextes und weisen auf Formulierungen hin, die uns heikel erscheinen, treffen aber keine berufsrechtliche Bewertung. Was die Vorschriften im Wortlaut sagen, haben wir in Anwaltswerbung: Was BRAO und BORA konkret regeln zusammengetragen. Bei Kampagnen, die an eine Grenze rühren, holen Sie die Auskunft Ihrer Rechtsanwaltskammer vor dem Start ein.
Häufige Fragen
Häufige FragenWie schnell bringen Google Ads einer Kanzlei die ersten Anfragen?
Die ersten Klicks kommen am Tag des Kampagnenstarts. Einzelne Anfragen treffen erfahrungsgemäß in der ersten Woche ein, sind aber noch keine Grundlage für eine Entscheidung. Belastbar wird die Auswertung nach vier bis acht Wochen, wenn genug Klicks und Anfragen zusammengekommen sind, um den Preis pro Anfrage zu berechnen.
Wie hoch sollte das monatliche Werbebudget einer Kanzlei sein?
In umkämpften Rechtsgebieten sollten Sie mit mindestens 1.000 Euro im Monat rechnen, sonst reichen die Daten für eine Entscheidung nicht aus. Wir starten in der Regel mit einem Testbudget für acht Wochen und legen erst danach fest, ob und wie weit erhöht wird. Das Werbebudget läuft dabei direkt auf den Namen der Kanzlei.
Dürfen Anwältinnen und Anwälte Google Ads schalten?
Die Grenzen anwaltlicher Werbung ergeben sich aus § 43b BRAO und § 6 BORA. Die Beurteilung eines konkreten Anzeigentextes obliegt Ihrer Kanzlei und Ihrer Rechtsanwaltskammer, die dazu auch Auskunft erteilt. Als Marketingdienstleister bewerten wir die Werbewirkung, nicht die berufsrechtliche Zulässigkeit. Den Wortlaut der Vorschriften haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.
Was ist der Unterschied zwischen Google Ads und SEO für Kanzleien?
Google Ads kauft Sichtbarkeit ab dem ersten Tag und kostet für jeden Klick Geld, SEO baut Sichtbarkeit über sechs bis zwölf Monate auf und wirkt danach ohne Klickkosten weiter. Anzeigen enden mit dem Abschalten der Kampagne, eine gut rankende Rechtsgebietsseite bringt auch im Folgejahr noch Anfragen. In der Praxis ergänzen sich beide.
Was kostet die Betreuung der Anzeigen bei der Hauck Studio GmbH?
Google Ads ist bei uns Teil des Pakets Bezahlte Werbeanzeigen. Enthalten sind Kampagnenaufbau, Anzeigen, Kampagnen-Landingpages und die laufende Optimierung, dazu alle Leistungen des Pakets Organisches Wachstum. Das Werbebudget kommt separat hinzu und läuft direkt an Google. Den passenden Rahmen und die Konditionen besprechen wir im Erstgespräch.
Die in diesem Beitrag genannten Klickpreise und Budgets sind Schätzwerte aus dem Kanzleiumfeld und keine zugesagten Preise. Sie hängen von Rechtsgebiet, Region, Wettbewerb und Suchbegriff ab und können im Einzelfall erheblich abweichen. Dieser Beitrag behandelt Website-Struktur und Marketing und stellt keine Rechtsberatung dar; die berufsrechtliche Beurteilung einer konkreten Werbemaßnahme liegt bei Ihrer Kanzlei und Ihrer Rechtsanwaltskammer.




