Die meisten Kanzleiwebsites sehen ordentlich aus. Sie haben ein Foto vom Besprechungsraum, eine Liste der Rechtsgebiete und ein Kontaktformular. Trotzdem kommen darüber kaum Anfragen und niemand in der Kanzlei kann genau sagen, woran das liegt. Das liegt selten am Design. Es liegt daran, dass die Website als Visitenkarte gebaut wurde und nicht als der Ort, an dem jemand mit einem konkreten Problem eine Entscheidung trifft. Diese fünf Anforderungen entscheiden darüber, ob aus einem Besucher eine Anfrage wird.
1. Eine eigene Seite für jedes Rechtsgebiet
Wer eine Kanzlei sucht, sucht nie nach einer Kanzlei. Er sucht nach seinem Problem: Kündigung erhalten, Erbe ausschlagen, Bußgeldbescheid im Briefkasten. Google und die KI-Assistenten zeigen deshalb die Seite an, die genau dieses Problem behandelt, nicht die Startseite mit dem Kanzleinamen.
Praktisch heißt das: Für jedes Rechtsgebiet, mit dem Sie Mandate gewinnen wollen, braucht es eine eigene Seite mit 600 bis 1.200 Wörtern eigenem Text. Nicht drei Sätze unter einer Überschrift auf einer Sammelseite „Leistungen“. Auf dieser Seite steht, welche typischen Fälle Sie in diesem Gebiet bearbeiten, wie ein Mandat abläuft, was es ungefähr kostet und wer in der Kanzlei dafür zuständig ist. Wie sich das auf eine ganze Website für Anwälte überträgt, haben wir dort im Detail beschrieben.
Eine Kanzlei mit vier Rechtsgebieten braucht also vier solcher Seiten. Das ist mehr Arbeit als eine Übersichtsseite, aber es ist der Unterschied zwischen gefunden werden und übersehen werden. Wenn Sie nur eine einzige Sache an Ihrer Website ändern, dann diese.
Was solche Seiten entwertet: Textbausteine, die auf tausend anderen Kanzleiseiten genauso stehen. Ein Abschnitt, der mit „Das Arbeitsrecht regelt die Rechtsbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern“ beginnt, hilft niemandem. Der Leser weiß, warum er da ist. Schreiben Sie stattdessen über seinen Fall.
2. Ein Kontaktweg, der immer sichtbar ist
Der zweite große Verlustpunkt liegt zwischen Interesse und Anfrage. Jemand liest Ihre Seite zum Arbeitsrecht, ist überzeugt und findet dann keinen Weg, das zu sagen, ohne vorher ins Menü zu gehen und „Kontakt“ zu suchen.
Konkret gehört auf jede Seite: die Telefonnummer als klickbarer Link, ein kurzes Formular mit maximal vier Feldern und die Angabe, wann Sie antworten. Der Satz „Wir melden uns innerhalb von 24 Stunden“ kostet nichts und nimmt die Sorge, ins Leere zu schreiben. Voraussetzung ist, dass die Kanzlei sich auch daran hält.
Der überwiegende Teil dieser Besucher kommt vom Smartphone, oft in einer Situation mit Zeitdruck. Für Sie heißt das: Die Nummer muss mit einem Daumendruck wählbar sein, das Formular ohne Zoomen ausfüllbar und die Seite muss laden, bevor jemand die Geduld verliert. Ein Richtwert, der sich gut prüfen lässt: Wenn Ihre Startseite auf einem Mobilfunknetz länger als drei Sekunden braucht, verlieren Sie Anfragen an dieser Stelle, nicht am Inhalt.
3. Profile, die zeigen, wer den Fall bearbeitet
Mandate werden Personen anvertraut, nicht Kanzleien. Trotzdem stehen auf vielen Websites nur Name, Titel und eine Mailadresse.
Ein Profil, das arbeitet, enthält ein aktuelles Foto, den Werdegang in drei bis vier Sätzen, die Fachanwaltstitel, die Schwerpunkte in Klartext, Veröffentlichungen oder Vorträge, wenn es welche gibt, und einen direkten Kontaktweg zu dieser Person. Das ist gleichzeitig der Teil der Website, den Suchmaschinen und KI-Assistenten als Kompetenznachweis auswerten. Wenn das Profil zusätzlich als strukturierte Daten hinterlegt ist, kann eine Suchmaschine die Angaben eindeutig zuordnen, statt sie aus dem Fließtext raten zu müssen.
Wichtig ist die Verknüpfung: Auf der Rechtsgebietsseite steht, wer dieses Gebiet betreut, mit Link auf das Profil. Auf dem Profil steht, welche Rechtsgebiete die Person bearbeitet, mit Link zurück. Diese Verbindung fehlt fast überall und ist in zwanzig Minuten hergestellt.
4. Auffindbar in der Suche und in KI-Antworten
Eine Website, die niemand findet, kann noch so gut gebaut sein. Neu ist, dass es dabei inzwischen um zwei Wege geht.
Der erste ist die klassische Suche. Hier zählt vor allem, was in Punkt 1 beschrieben ist: eigenständige Seiten mit echtem Inhalt zu konkreten Fragen. Wie schnell das trägt, hängt vom Rechtsgebiet, von der Region und vom Wettbewerb vor Ort ab. Planbar ist der Aufbau trotzdem, weil jede neue Seite ein klar umrissenes Thema besetzt.
Der zweite Weg sind Assistenten wie ChatGPT und die KI-Übersichten in der Suche. Diese Systeme geben eine Empfehlung ab, statt zehn Links zu zeigen. Ausgewertet wird dabei, ob Ihre Angaben über Website, Google-Unternehmensprofil und Verzeichnisse hinweg identisch sind, ob Ihre Seiten Fragen direkt beantworten und ob erkennbar ist, wer hinter den Inhalten steht. Absätze, die eine Frage im ersten Satz beantworten, werden deutlich häufiger zitiert als Texte, die sich erst warmlaufen.
Beides zieht in dieselbe Richtung. Wer sauber nach Rechtsgebieten und Fragen strukturiert, wird in beiden Kanälen gefunden.
5. Messbarkeit: welcher Kanal welche Anfrage bringt
Die fünfte Anforderung wird am häufigsten übersprungen. Ohne Messung wissen Sie nach zwölf Monaten nicht, ob die Website funktioniert hat.
Was Sie mindestens brauchen: Formulareingänge und Klicks auf die Telefonnummer als Ereignis erfasst, dazu die Herkunft (Suche, Google-Unternehmensprofil, Empfehlung, Anzeige). Das ist ein überschaubarer Aufwand und datenschutzkonform lösbar, wenn man es beim Aufbau der Website mitdenkt statt später nachzurüsten.
Entscheidend ist die Kennzahl, auf die Sie schauen. Nicht Besucherzahlen, sondern Anfragen. Wir stellen Berichte bei Kunden gerade konsequent darauf um, weil Klickzahlen durch KI-Antworten unzuverlässiger werden, während die Zahl der eingehenden Anfragen misst, was Sie tatsächlich interessiert.
Was Sie dafür nicht brauchen
Genauso wichtig ist, was auf der Rechnung stehen kann, ohne etwas beizutragen.
Ein aufwendig individuell gestaltetes Design ist heute kein Unterscheidungsmerkmal mehr. Ein sauberes, professionelles Erscheinungsbild ist Voraussetzung, aber der Vorsprung entsteht danach über Inhalte und Erreichbarkeit. Ebenfalls verzichtbar: Imagefilme, die niemand zu Ende sieht, Chatbots, die auf juristische Fragen keine belastbaren Antworten geben dürfen, Mandantenportale, solange die einfache Anfrage noch nicht funktioniert, Stockfotos von Waagen und Gesetzbüchern und Animationen, die das Laden verzögern.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat: erst die Rechtsgebietsseiten, dann die Erreichbarkeit, dann Sichtbarkeit und Messung. Alles Weitere danach, wenn die Zahlen zeigen, dass es sich lohnt.
Häufige Fragen
Häufige FragenWas kostet eine Kanzleiwebsite?
Bei uns ist der vollständige Neuaufbau in der laufenden Betreuung enthalten, ohne separate Einmalzahlung: im Paket Organisches Wachstum ebenso wie im Paket Bezahlte Werbeanzeigen mit zusätzlicher Google-Ads-Betreuung. Die Konditionen besprechen wir im Erstgespräch. Enthalten sind Hosting und Wartung, Expertenprofile, das Google-Unternehmensprofil sowie der laufende Ausbau von Seiten und Sichtbarkeit.
Wie lange dauert es, bis eine neue Website Anfragen bringt?
Erste Anfragen kommen meist nach sechs bis zwölf Wochen, sofern das Google-Unternehmensprofil gepflegt ist und die ersten Rechtsgebietsseiten stehen. Ihre volle Wirkung entfaltet der organische Aufbau nach etwa sechs bis zwölf Monaten, weil er mit jedem Inhalt stärker wird. Google Ads erreicht akute Nachfrage dagegen sofort und liefert innerhalb weniger Wochen erste Erkenntnisse, ersetzt den organischen Aufbau aber nicht.
Wie viele Rechtsgebietsseiten braucht eine Kanzlei?
Eine pro Rechtsgebiet, mit dem Sie aktiv Mandate gewinnen wollen. Für die meisten Kanzleien sind das drei bis sechs. Mehr Seiten helfen nur, wenn jede davon eigenständigen Inhalt hat. Zwanzig dünne Seiten schaden mehr, als sie nützen.
Relaunch oder die bestehende Website überarbeiten?
Eine Überarbeitung reicht, wenn die Struktur stimmt und nur Inhalte fehlen. Sobald Sie für jedes Rechtsgebiet eine eigene Seite, verknüpfte Expertenprofile und sauberes Tracking brauchen, ist der Neuaufbau in der Regel schneller und günstiger als der Umbau einer gewachsenen Seite. Ein verlässlicher Prüfpunkt: Wenn niemand mehr weiß, wie die bestehende Seite technisch aufgebaut ist, lohnt der Umbau selten.
Braucht eine Kanzleiwebsite einen Blog?
Nur, wenn er regelmäßig gepflegt wird. Drei Beiträge aus dem Jahr 2023 schaden dem Eindruck mehr, als sie nützen. Sinnvoller ist es, zuerst die Rechtsgebietsseiten auf Substanz zu bringen und einen Blog erst zu starten, wenn ein Ablauf für neue Beiträge steht.
Dieser Beitrag behandelt Marketing und Website-Struktur und stellt keine Rechtsberatung dar. Die Funktionsweise von Suchmaschinen und Assistenten beschreiben wir aus eigener Beobachtung, die Anbieter legen ihre Auswahlkriterien nicht offen.




