Wer „Anwalt Arbeitsrecht in der Nähe“ sucht, sieht zuerst eine Karte mit drei Einträgen. Erst darunter beginnt die klassische Trefferliste. Diese drei Plätze werden nicht über Ihre Website vergeben, sondern über Ihr Google-Unternehmensprofil und viele Kanzleien haben dieses Profil zuletzt bei der Einrichtung angefasst. Dabei entscheidet es bei lokalen Suchen häufiger über einen Anruf als die Startseite. Die gute Nachricht: Es sind wenige Felder, die tatsächlich etwas bewirken, und die meisten davon sind an einem Nachmittag erledigt.
Warum das Profil bei Kanzleien oft wichtiger ist als die Website
Mandatssuchen sind lokal. „Fachanwalt Familienrecht Marburg“, „Anwalt in der Nähe“, „Rechtsanwalt Erbrecht geöffnet“. Für diese Anfragen zeigt Google den Kartenblock und die Auswahl darin folgt anderen Regeln als die organische Trefferliste. Entfernung zum Suchenden, Kategorie, Bewertungen und Vollständigkeit des Profils spielen dort zusammen.
Dazu kommt: Ein erheblicher Teil der Kontakte entsteht direkt im Profil, ohne dass jemand Ihre Website öffnet. Angerufen wird über die Schaltfläche im Profil, die Route wird von dort gestartet. Wenn Sie diese Kontakte nicht messen, unterschätzen Sie den Kanal systematisch.
Für Sie heißt das: Bevor Sie über eine neue Website nachdenken, prüfen Sie dieses Profil. Der Aufwand ist klein und die Wirkung tritt in Tagen ein, nicht in Monaten.
Die sieben Felder, die zählen
1. Hauptkategorie. Sie steuert, für welche Suchbegriffe Ihr Profil überhaupt in Frage kommt. Für die meisten Kanzleien ist „Rechtsanwalt“ richtig. Es gibt zusätzlich spezifische Kategorien, etwa für Fachrichtungen. Wählen Sie als Hauptkategorie das Gebiet, mit dem Sie Mandate gewinnen wollen, und ergänzen Sie weitere als Nebenkategorien. Wichtig: Wenn ein Profil bereits gut läuft, wechseln Sie die Hauptkategorie nicht leichtfertig, das kann die Sichtbarkeit spürbar verändern.
2. Name. Der Eintrag trägt den Namen, unter dem die Kanzlei tatsächlich auftritt. Keine angehängten Suchbegriffe. Google untersagt das ausdrücklich, Wettbewerber melden solche Einträge regelmäßig, und im schlimmsten Fall wird das Profil gesperrt. Der kurzfristige Vorteil steht in keinem Verhältnis zum Risiko.
3. Leistungen. Hier hinterlegen Sie Ihre Rechtsgebiete einzeln, jeweils mit einer kurzen Beschreibung. Dieses Feld wird oft übersprungen, dabei ist es die Stelle, an der Sie dem Profil Ihr fachliches Spektrum mitgeben. Formulieren Sie in der Sprache der Mandanten: „Kündigungsschutzklage“ statt „arbeitsrechtliche Vertretung“.
4. Telefonnummer und Anrufoption. Die Nummer muss identisch sein mit der auf der Website und im Impressum. Wenn Sie eine separate Nummer zur Messung einsetzen wollen, klären Sie vorher, wie sie sich auf die Einheitlichkeit Ihrer Angaben auswirkt. Prüfen Sie außerdem, wer außerhalb der Sprechzeiten abnimmt. Ein Profil, das Anrufe erzeugt, die niemand entgegennimmt, kostet Sie Mandate statt welche zu bringen.
5. Öffnungszeiten, inklusive Feiertagen. Google weist Profile mit gepflegten Feiertagszeiten sichtbar aus, und „geöffnet“ ist für viele Suchende das Auswahlkriterium. Tragen Sie außerdem einen Link zur Terminvereinbarung ein, wenn Sie einen haben.
6. Bewertungen und Ihre Antworten. Der Teil des Profils, der am meisten gelesen wird. Bitten Sie zufriedene Mandanten um eine Bewertung, wenn Ihr Berufsrecht das aus Ihrer Sicht zulässt, und tun Sie das zeitnah nach Abschluss. Gekaufte Bewertungen und Anreize sind nach den Richtlinien von Google unzulässig. Antworten Sie auf jede Bewertung, auch auf kritische, und zwar sachlich und ohne Bezug auf einen konkreten Fall. Ihre Verschwiegenheitspflicht endet nicht bei einer öffentlichen Bewertung, im Gegenteil.
7. Fotos. Echte Aufnahmen der Kanzlei, des Eingangs und der Personen. Der Eingangsbereich hilft beim Wiederfinden vor Ort, Personenfotos helfen bei der Entscheidung. Stockfotos erkennt jeder, sie schaden mehr als ein sparsam bebildertes Profil.
Was nur Pflege kostet
Nicht alles im Profil verdient Ihre Zeit. Die Beitragsfunktion, mit der sich kurze Meldungen veröffentlichen lassen, bringt bei Kanzleien in aller Regel wenig, weil kaum jemand ein Anwaltsprofil auf Neuigkeiten prüft. Attribute und Zusatzfelder aus dem Einzelhandel sind irrelevant. Auch das Hochladen immer neuer Fotos verändert nichts, sobald ein solider Grundstock vorhanden ist.
Eine Ausnahme lohnt sich: der Bereich mit Fragen und Antworten. Dort darf man selbst Fragen einstellen und beantworten. Fünf typische Mandantenfragen, sauber beantwortet, sind sinnvoll investierte zwanzig Minuten, weil sie sowohl im Profil als auch als Quelle für Assistenten sichtbar sind. Welche Signale diese Systeme dabei auswerten, steht im Beitrag Wie ChatGPT und Google Kanzleien empfehlen.
Der Fehler, der am meisten kostet
Es gibt einen Fehler, der häufiger vorkommt als alle Feinheiten zusammen: mehrere Profile für dieselbe Kanzlei. Sie entstehen bei Umzügen, Namensänderungen, Zusammenschlüssen oder wenn ein ausgeschiedener Kollege ein eigenes Profil hatte, das nie geschlossen wurde. Google verteilt dann Bewertungen und Signale auf zwei Einträge und keiner von beiden wird stark.
Prüfen Sie deshalb einmal gründlich: Suchen Sie nach dem Kanzleinamen, nach früheren Namen, nach den Namen aller Anwältinnen und Anwälte und nach Ihrer Adresse. Doppelte Einträge lassen sich zusammenführen oder schließen. Das ist unspektakulär, aber es ist regelmäßig die Maßnahme mit dem größten Effekt.
Zweitwichtigster Punkt: Ist das Profil überhaupt verifiziert und haben Sie Zugriff darauf? Bei vielen Kanzleien liegt der Zugang noch bei einem ehemaligen Dienstleister. Ohne Zugriff können Sie nichts davon umsetzen.
In dreißig Minuten erledigt
Wenn Sie heute nur eine halbe Stunde haben, arbeiten Sie diese Reihenfolge ab:
- Zugriff auf das Profil prüfen, Verifizierung sicherstellen.
- Nach doppelten Einträgen suchen und sie zusammenführen oder schließen.
- Hauptkategorie kontrollieren und Nebenkategorien ergänzen.
- Leistungen mit allen Rechtsgebieten und kurzen Beschreibungen füllen.
- Telefonnummer, Adresse und Öffnungszeiten mit Website und Impressum abgleichen.
- Auf alle unbeantworteten Bewertungen antworten.
Alles Weitere kann warten. Diese sechs Punkte machen den Unterschied zwischen einem Profil, das existiert, und einem, das Anfragen bringt.
Häufige Fragen
Häufige FragenBraucht jede Anwältin und jeder Anwalt ein eigenes Profil?
Nein, in der Regel genügt ein Profil für die Kanzlei. Bei Sozietäten, in denen einzelne Personen eigenständig Mandate gewinnen, kann ein zusätzlicher Eintrag als Einzelperson sinnvoll sein. Wichtig ist dann, dass die Angaben zueinander passen und keine widersprüchlichen Adressen oder Nummern entstehen.
Was tun wir bei einer schlechten Bewertung?
Sachlich und zeitnah antworten, ohne den Sachverhalt oder ein mögliches Mandatsverhältnis öffentlich zu erörtern. Eine ruhige Antwort wirkt auf spätere Leser oft stärker als die Bewertung selbst. Bewertungen, die eindeutig gegen die Richtlinien von Google verstoßen, etwa erkennbar erfundene Vorgänge, lassen sich melden, allerdings mit ungewissem Ausgang.
Wie oft sollten wir das Profil aktualisieren?
Feste Intervalle sind nicht nötig. Sinnvoll sind ein Blick pro Monat auf neue Bewertungen und Fragen, sowie eine Aktualisierung, sobald sich Öffnungszeiten, Rechtsgebiete, Personen oder die Adresse ändern. Vor Feiertagen lohnt sich der Eintrag der Sonderzeiten.
Spielt die Entfernung zum Suchenden eine Rolle?
Ja, deutlich. Der Standort des Suchenden ist bei lokalen Anfragen einer der stärksten Faktoren und daran lässt sich nichts drehen. Deshalb ist es realistisch, zunächst im eigenen Ort und im direkten Umfeld sichtbar zu werden und erst danach über größere Reichweite nachzudenken, etwa über eigene Seiten für weitere Standorte.
Bringt das Profil etwas, wenn wir keine Laufkundschaft haben?
Ja, denn es geht nicht um Laufkundschaft, sondern um Anrufe. Ein großer Teil der Suchenden ruft direkt aus dem Kartenergebnis an, ohne die Website zu öffnen. Für Kanzleien ohne Publikumsverkehr ist das Profil deshalb genauso relevant, entscheidend sind dann Kategorie, Leistungen und Erreichbarkeit statt der Fotos vom Eingang.
Dieser Beitrag behandelt Marketing und Sichtbarkeit und stellt keine Rechtsberatung dar. Ob und wie Sie Mandanten auf Bewertungen ansprechen, beurteilen Sie nach Ihrem Berufsrecht.




