„Welchen Anwalt für Arbeitsrecht in Kassel würdest du empfehlen?“ Diese Frage wird inzwischen nicht mehr nur bei Google eingegeben, sondern genauso in ChatGPT oder in die KI-Übersicht über den Suchergebnissen. Der Unterschied ist gravierend: Statt zehn Links bekommt der Suchende zwei oder drei Namen, oft mit Begründung. Wer nicht dabei ist, taucht in dieser Antwort gar nicht auf und der Suchende erfährt nie, dass es Ihre Kanzlei gibt. Die Frage ist also nicht mehr nur, auf welcher Position Sie stehen, sondern ob Sie überhaupt genannt werden.
Was passiert, wenn jemand eine KI nach einer Kanzlei fragt
Assistenten arbeiten bei solchen Fragen in zwei Schritten. Zuerst suchen sie im Netz, meist mit mehreren automatisch erzeugten Suchanfragen gleichzeitig. Danach fassen sie zusammen, was sie in den gefundenen Quellen gelesen haben, und formulieren daraus eine Antwort.
Für Sie folgt daraus etwas Unangenehmes und etwas Ermutigendes. Unangenehm ist: In die Antwort schaffen es meist nur eine Handvoll Quellen. Ermutigend ist: Es ist nicht dieselbe Auswahl wie bei Google. Assistenten bevorzugen Seiten, aus denen sich eine klare Aussage entnehmen lässt, und das ist keine Frage der Domain-Autorität, sondern der Formulierung. Eine kleine Kanzlei mit präzisen Seiten kann hier neben einer großen Sozietät stehen.
Dasselbe Muster gilt für die KI-Übersichten in der Google-Suche. Auch sie ziehen einzelne Passagen aus Seiten heran und setzen daraus eine Antwort zusammen. Der Effekt ist bekannt: Die Antwort steht oben, der Klick auf die Quelle bleibt häufig aus. Wie wir daran mit Kanzleien arbeiten, steht auf der Seite KI-Sichtbarkeit für Kanzleien.
Welche Signale ausgewertet werden
Niemand außerhalb der Anbieter kennt die genauen Kriterien und wer etwas anderes behauptet, verkauft Ihnen etwas. Aus unserer Arbeit an Kanzlei-Websites lassen sich aber fünf Faktoren benennen, die durchgängig eine Rolle spielen.
1. Konsistenz Ihrer Grunddaten. Name, Anschrift, Telefonnummer, Rechtsgebiete und Öffnungszeiten müssen auf Website, Google-Unternehmensprofil und in Anwaltsverzeichnissen identisch sein. Steht in einem Verzeichnis noch die alte Adresse oder eine abweichende Schreibweise des Kanzleinamens, entsteht Unsicherheit, und unsichere Angaben werden seltener genannt.
2. Thematische Tiefe pro Rechtsgebiet. Eine Seite, die ein Rechtsgebiet vollständig behandelt, ist als Quelle brauchbar. Ein Absatz auf einer Sammelseite ist es nicht. Das ist derselbe Aufbau, der auch in der klassischen Suche trägt, nachzulesen im Beitrag zu Rechtsgebietsseiten.
3. Erkennbare Personen. Wer den Fall bearbeitet, mit Foto, Werdegang, Fachanwaltstiteln, Vorträgen oder Veröffentlichungen. Assistenten werten Autorenschaft und nachprüfbare Qualifikation als Vertrauensmerkmal. Anonyme Kanzleitexte ohne Verfasser haben diesen Beleg nicht.
4. Was andere über Sie schreiben. Bewertungen, Erwähnungen in lokalen Medien, Verzeichniseinträge, Beiträge in Fachportalen. Diese Quellen liegen außerhalb Ihrer Website und wiegen deshalb schwer. Eine Kanzlei mit zwölf aktuellen, beantworteten Bewertungen ist für ein Modell besser einzuschätzen als eine ohne.
5. Technische Lesbarkeit. Inhalte, die nur in Bildern, PDFs oder erst nach Klick auf ein aufklappbares Element im Quelltext erscheinen, werden häufig nicht erfasst. Strukturierte Daten für Kanzlei, Personen und Frageblöcke helfen, weil sie Angaben eindeutig auszeichnen, statt sie im Fließtext raten zu lassen.
Was Sie konkret tun können
Die gute Nachricht: Es sind keine neuen Disziplinen nötig. Es sind Formulierungs- und Strukturentscheidungen.
- Antworten Sie im ersten Satz. Jeder Abschnitt beginnt mit der Antwort, danach folgt die Begründung. Ein Absatz, der mit „Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten“ startet, wird nicht zitiert.
- Bauen Sie Frageblöcke ein. Vier bis sechs echte Mandantenfragen pro Rechtsgebietsseite, in der Formulierung, in der sie tatsächlich gestellt werden, mit kurzen Antworten von drei bis vier Sätzen.
- Schreiben Sie Definitionssätze. Ein Satz je Seite im Muster „Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen erhoben werden“, ohne Verschachtelung. Solche Sätze sind direkt übernehmbar.
- Machen Sie Absätze eigenständig. Formulierungen wie „wie oben erwähnt“ oder „das gilt auch hier“ machen einen Absatz unbrauchbar, sobald er isoliert gelesen wird. Und genau so wird er gelesen.
- Gleichen Sie Ihre Einträge ab. Google-Unternehmensprofil, Anwaltsverzeichnisse, Branchenportale, alte Profile ehemaliger Kollegen. Einmal vollständig durchgehen, Widersprüche beseitigen.
- Lassen Sie KI-Crawler zu. Wenn Ihre Website Zugriffe von Assistenten über die robots.txt blockiert, können deren Antworten Ihre Inhalte nicht berücksichtigen. Das ist eine bewusste Entscheidung, die viele Kanzleien nie getroffen haben, sondern von einem Dienstleister übernommen bekommen haben.
Prüfen Sie es selbst, das dauert zwanzig Minuten
Sie brauchen kein Werkzeug, um den Ist-Stand zu kennen. Nehmen Sie fünf Fragen, die ein Mandant stellen würde, und geben Sie sie nacheinander in zwei oder drei Assistenten ein. Zum Beispiel: „Welche Kanzlei für Erbrecht in Marburg?“, „Wer hilft bei einer Kündigung in Gießen?“, „Was kostet eine Kündigungsschutzklage?“.
Notieren Sie in einer einfachen Tabelle, welche Kanzleien genannt werden, welche Quellen zitiert sind und ob Sie dabei sind. Wiederholen Sie das nach drei Monaten. Diese Liste sagt Ihnen mehr über Ihre Position als jede allgemeine Statistik.
Ergänzend lohnt ein Blick in Ihre Website-Statistik: Zugriffe, die von Assistenten kommen, tauchen dort als eigene Herkunft auf. Die Zahlen sind meist klein, aber sie zeigen, dass Sie als Quelle verwendet werden.
Was das für Ihr Reporting bedeutet
Wenn Antworten direkt in der Suche stehen, sinken die Klicks, ohne dass Ihre Seite schlechter geworden ist. Wer weiter nur auf Besucherzahlen schaut, zieht daraus die falschen Schlüsse und spart womöglich an genau den Inhalten, die die Empfehlung erzeugen.
Sinnvoller ist es, auf Anfragen zu schauen: Anrufe, Klicks auf die Telefonnummer, Formulareingänge, Terminbuchungen. Wir stellen Berichte bei Kunden konsequent darauf um. Besucherzahlen bleiben als Kontext daneben stehen, aber sie sind nicht mehr die Kennzahl, an der eine Website gemessen wird.
Was nicht funktioniert
Zum Schluss die Abkürzungen, die keine sind. Texte in großer Zahl automatisiert erzeugen und veröffentlichen: Das erzeugt viele Seiten ohne eigene Substanz und weder Suchmaschinen noch Assistenten haben einen Grund, ausgerechnet diese zu zitieren. Schlagworte wie „führende Kanzlei“ in den Text schreiben: Assistenten übernehmen keine Selbstbeschreibungen, sie suchen nachprüfbare Angaben. Und Angebote, die Sichtbarkeit in KI-Antworten garantieren, ohne zu erklären, was sie dafür konkret tun: Niemand kann das garantieren, weil die Auswahl bei jeder Anfrage neu entsteht.
Was bleibt, ist unspektakulär und wirkt in beide Richtungen: saubere Struktur, echte Inhalte pro Rechtsgebiet, sichtbare Personen, konsistente Daten. Dieselbe Arbeit, die auch die klassische Suche belohnt.
Häufige Fragen
Häufige FragenWie kommt meine Kanzlei in die Empfehlungen von ChatGPT?
Indem Ihre Kanzlei für eine Kombination aus Rechtsgebiet und Ort eindeutig belegbar ist: eine ausführliche Seite zu diesem Rechtsgebiet, benannte Anwältinnen und Anwälte mit Qualifikation, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil und übereinstimmende Angaben in Verzeichnissen. Eine Garantie gibt es nicht, weil die Auswahl bei jeder Anfrage neu getroffen wird.
Was ist der Unterschied zwischen SEO und GEO?
SEO zielt darauf, in der Trefferliste möglichst weit oben zu stehen. GEO (Generative Engine Optimization) zielt darauf, in der zusammengefassten Antwort eines Assistenten als Quelle genannt zu werden. Die Maßnahmen überschneiden sich stark, GEO legt zusätzliches Gewicht auf klare Formulierungen, Frageblöcke und nachprüfbare Angaben zu Personen.
Lässt sich Sichtbarkeit in KI-Antworten messen?
Nur eingeschränkt. Es gibt keine Rangliste wie bei Google. Praktikabel sind zwei Wege: regelmäßige Testfragen in mehreren Assistenten mit protokolliertem Ergebnis und die Auswertung der Zugriffe, die aus Assistenten auf Ihre Website kommen. Beides zusammen ergibt ein brauchbares Bild, wenn man es über Monate fortschreibt.
Sollten wir KI-Crawler auf unserer Website zulassen?
Wenn Sie über Assistenten gefunden werden wollen, ja. Werden die entsprechenden Zugriffe in der robots.txt blockiert, können Ihre Inhalte in den Antworten nicht auftauchen. Prüfen Sie, welche Einstellung auf Ihrer Website hinterlegt ist, oft stammt sie aus einer Standardkonfiguration und wurde nie bewusst gewählt.
Ersetzt KI-Sichtbarkeit die klassische Suchmaschinenoptimierung?
Nein. Beide greifen auf dieselben Inhalte zu und der überwiegende Teil der Mandatsanfragen entsteht weiterhin über die klassische Suche und über das Google-Unternehmensprofil. Sinnvoll ist, Inhalte so aufzubauen, dass sie in beiden Kanälen funktionieren, statt zwei getrennte Maßnahmen zu betreiben.
Dieser Beitrag behandelt Marketing und Website-Struktur und stellt keine Rechtsberatung dar. Die Funktionsweise von Suchmaschinen und Assistenten beschreiben wir aus eigener Beobachtung, die Anbieter legen ihre Auswahlkriterien nicht offen.




